Amerika: Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten

suk Herdorf. Amerika: Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Die Vereinigten Staaten hatte der Musikverein Dermbach zum Thema seines Herbstkonzertes gemacht und nutzte hier die unbegrenzten Möglichkeiten, die das Land auch in musikalischer Hinsicht bietet. Unter der Leitung von Marco Lichtenthäler musizierten sich die rund 50 Musikerinnen und Musiker der Herdorfer „Oberstadt“ am Samstag im frisch renovierten Hüttenhaus einmal quer durch die USA, durch verschiedene Jahrzehnte,  von Nord nach Süd und von Ost nach West. Musiker Stefan Weidmann (Euphonium) fungierte bei dieser Reise als Guide und bewies dabei Entertainer-Qualitäten vom Feinsten. Mit viel intelligentem Witz führte er durch das Programm und knüpfte dabei  die faszinierendsten Zusammenhänge. So stellte er fest, dass  es aufgrund der Einwohnerzahl pro Quadratmeter wahrscheinlicher sei, in Herdorf einen Herdorfer zu treffen als in Amerika einen Amerikaner. Solche und viele andere Weisheiten versüßten diesen Konzertabend, der musikalisch ebenfalls so einiges zu bieten hatte.


So swingte sich der Musikverein durch mitreißende Medleys mit den bekanntesten Melodien zum Musical „Cabaret“ oder der „West Side Story“ von Leonard Bernstein. Letzteres brachte der Klangkörper – von den temporeichen Passagen bis zu den getragenen Balladen - mit besonders viel Ausdruckskraft und Homogenität zum Klingen.  Das Blasorchester-Arrangement des Japaners Naohiro Iwai zu Gershwins Rhapsodie „An American in Paris“ meisterte das Orchester ebenfalls mit Bravour.  Das quirlige Stück, das die ganze Hektik der Großstadt  - inklusive hupender Autos – wiederspiegelt und gleichzeitig die harmonische Seite der „Stadt der Liebe“ musikalisch ausdrückt, stellte eine echte Herausforderung für das Orchester dar. Die Bläser meisterten die technisch anspruchsvollen Stimmen hervorragend und das Schlagzeugregister , das alle Hände voll zu tun hatte, sorgten für das Sahnehäubchen auf diesem musikalischen Leckerbissen. Als solcher konnte auch die folgende „Second Suite for Band“ bezeichnet werden.  Komponist Alfred Reed schrieb mit den vier Sätzen dieses schwierigen Stückes, Son Montuno, Tango, Guaracha und Paso Double, eine Hommage an die mitreißende Musik Lateinamerikas. Dieser Abstecher aus den USA Richtung Süden lohnte sich allemal, stellte doch dieses anspruchsvolle Stück, das hervorragend gelang,  ein weiteres Glanzlicht des ersten Konzertteils dar.


Ohrwurmcharakter hatte die mitreißende Filmmusik zur Fernsehserie „Fackeln im Sturm“, mit dem die Besucher in die Pause entlassen wurden.  Den zweiten Konzertteil eröffnete zunächst die Jugendkapelle des Musikvereins. Mit rund 30 Jugendlichen sind die Dermbacher auch in Sachen Nachwuchs bestens aufgestellt. Unter der Leitung von Thomas Drost  machten die jungen Talente einen Ausflug in den Wilden Westen mit der „Appalachian Suit“ und „Aztek Fire“. Beide Stücke spielten sie überaus gekonnt. Die Erfahrung im großen Orchester mitzuspielen machten die Jugendlichen im Anschluss bei einem gemeinsamen Auftritt beider Klangkörper und dem Medley „Western Grafitti“.

Danach wurde es auf der Bühne mystisch. Großes kündigte sich an, indem eine Leinwand heruntergefahren, die Bühne in rotes Licht getaucht wurde und Stefan Weidmann das schaurige Drehbuch über den Überfall eines Monsters auf Las Vegas vorstellte.  Die moderne Komposition für symphonisches Blasorchester „Godzilla eats Las Vegas!“ von Eric Whitacre stellte zweifellos den absoluten  Höhepunkt des Abends dar.  Unterlegt mit eindrucksvollen Bildern, die über den Beamer dem Publikum die Geschichte veranschaulichten, spielte das Orchester dieses Stück im wahrsten Sinne des Wortes. Denn neben ihren Instrumenten brauchten sie auch ihre Stimmen für Gesang und hysterisches Geschrei, mussten zweitweise mit stampfenden Füßen den Einmarsch der Elvis-Armee imitieren und am Ende Luftschlangen pusten und Gläser klingen lassen. Dazu kam die mitreißende, manchmal auch eigenwillige Musik, die allen Registern höchstes Können abverlangte. Eine große Bereicherung war hier Stefan Schlosser, der am Flügel mit grandiosem Tastenspiel brillierte. Die Mühen intensiver Probenarbeit zahlten sich hier besonders aus. 


Nach so viel Dramatik erklangen am Ende des Konzertes versöhnliche Melodien. Nach dem Evergreen „New York, New York“ (Gesang: Stefan Weidmann) wurde es sogar traditionell weihnachtlich, allerdings stilecht im amerikanischen Big-Band-Sound.  „Winter Wonderland“ und  als Zugaben „White Christmas“ und „Silent Night“ gefielen dem Publikum einmal mehr und sorgten für langanhaltenden Applaus nach einem überaus gelungenen Konzert. Am Ende galt der besondere Dank des Vorsitzenden, Michael Bohl, dem Bürgermeister der Stadt Herdorf, Uwe Erner und dem Stadtrat für den gelungenen Umbau des Hüttenhauses und für den neuen Probenraum in Dermbach, der mit viel Eigenleistung der Bürger realisiert werden konnte.

Vier mal ein halbes Jahrhundert

Vier mal ein halbes Jahrhundert Vereinstreue konnte am Samstag beim Konzert des Musikvereins Dermbach ausgezeichnet werden. Der Vorsitzende, Michael Bohl, überreichte Ehrenurkunden und Präsente an Klaus Schmidt und Hubert Schneider. Beide sind seit 50 Jahren Mitglied im Musikverein Dermbach und waren davon mehrere Jahrzehnte auch als aktive Musiker tätig. Für ihre lange Treue, auch als fördernde Mitglieder, galt ihnen ein besonderer Dank.  Seit 50 Jahren als aktive Musiker immer noch im Dienst sind Gundolf Jung und Heinz Reifenrath. Beide erhielten eine goldene Ehrennadel und einen Ehrenbrief des Landesmusikverbandes Rheinland-Pfalz, die vom Jugendleiter des Kreismusikverbandes Altenkirchen, Dennis Keil und Kreis-Kassiererin Katharina Zöller überreicht wurden.  Auch Bohl gratuliert den beiden treuen Musikern herzlich für ihre Engagement – Gundolf Jung war Jahrzehnte lang auch im Vorstand des Vereins aktiv - und überreichte zum Dank ein  Präsent.  Unser Bild zeigt (v.l.): die Geehrten Hubert Schneider, Klaus Schmidt, Heinz Reifenrath und Gundolf Jung sowie Katharina Zöller, Dennis Keil und Michael Bohl.