Herbstkonzerte 2009

Manch schwerer Brocken 

Musikverein Dermbach begeistert nicht nur mit Filmmusik 

suk Herdorf. Kurzweilig, mitreißend und musikalisch auf hohem Niveau war das, was der Musikverein Dermbach am Samstag bei seinem großen Herbstkonzert im Hüttenhaus präsentierte. Seit Mai dieses Jahres steht der Verein unter der Leitung von Marco Lichtenthäler und offensichtlich hat der Dirigent aus der Herdorfer „Unterstadt“ Sassenroth zu den Musikern aus der „Oberstadt“ Dermbach  in dieser recht kurzen Zeit einen guten Draht gefunden. Für das Publikum war spür- und hörbar, das Dirigent und Orchester gleichermaßen engagiert und mit großer Freude bei der Sache waren.
Es stimmte einfach alles bei diesem Konzert: Das Hüttenhaus war nahezu ausverkauft, das Programm bot viel Abwechslung und die Moderation an diesem Abend war an Kurzweil kaum zu übertreffen. Für Letztere zeichnete der Tenorhornist Stefan Weidmann verantwortlich, der in Entertainer-Manier mit geistreichem Humor und flotten Sprüchen durch das Programm führte. Dabei war gleich der erste Titel an diesem Abend schon Programm. „There´sno business like showbusiness“ erklang in einem pfiffigen und mitreißenden Arrangement des Japaners Naohiro Iwai und die musikalische Show des Musikvereins ging weiter. Zu den Polkaklängen „Auf der Sambachsteige“ legten Vorsitzender Michael Bohl und die Hornistin Anette Uebe eine flotte Sohle aufs Parkett und beweisen dann noch gemeinsam mit  Stefan Weidmann gesangliches Talent. 
Nach dem zackig gespielten „Fredericus-Rex-Grenadiermarsch“ widmete sich das Orchester den Originalwerken für symphonisches Blasorchester.  Hier gefiel die „Serenade für Wind Band“, die zwar für die Zuhörer einen beschwingt locker, leichten Eindruck machte aber für die Musiker dank komplizierter elfachtel-, siebenachtel- und dreizehnachtel-Takten (Anmerkung des Moderators: „Sie merken, da kann man nichts kürzen“) hohe Anforderungen an die Musiker stellte und von ihnen viel Rhythmusgefühl verlangte.  Ein Programmhöhepunkt war die Komposition „Orient Express“ von Phillip Sparke. Dieses Höchststufenwerk war nach Aussage von Stefan Weidmann das „schwerste Stück des Abends“ und zum Beweis wog er die Partitur des Dirigenten auf der Briefwaage. 160 Gramm  brutto – die Pausen wurden ja mit gewogen - waren tatsächlich ein schwerer Brocken. Vor dem inneren Auge konnten die Zuhörer die Fahrt des legendären Zuges miterleben, vom schwerfälligen Anfahren im Bahnhof über  zahlreiche dramatische Ereignisse bis zu melancholischen Liebesgeschichten. Die klanglichen Effekte, die das Schlagzeugregister erzeugte,  die rhythmisch prägnanten Passagen, zahlreiche dynamische Finessen und die technisch höchst anspruchsvollen Stimmen der einzelnen Register fügten sich unter dem engagierten Dirigat von Marco Lichtenthäler zu einem außergewöhnlichen Klangerlebnis  zusammen. 
Nach der Pause formierte sich zunächst der Nachwuchs auf der Bühne. Unter der bewährten Leitung von Thomas Drost spielte das mitgliederstarke Jugendorchester bereits auf einem beachtlichen Leistungsstand. So erklang neben zünftigen Klängen der beschwingte Satz „Hobbits Dance and Hymn“ aus der „Herr-der-Ringe-Sinfonie“ von Johan de Meij  und zum krönenden Abschluss der bekannte „Csardas“ von Monti. Als Solistin brillierte hier Jessica Utsch, die das temporeiche und technisch schwierige Stück mit Bravour meisterte. Beeindruckend aber auch die Leistung des Orchesters, das ebenfalls mit diesem schweren Stück bestens zu recht kam und die Solistin gekonnt begleitete.  Angesichts der begeisterten Ovationen kam das Jugendorchester nicht um eine Zugabe herum und spielte Ausschnitte aus dem Csardas ein weiteres Mal.

Das große Orchester begeisterte im zweiten Teil vor allem mit bekannter Film- und Fernsehmusik. Höhepunkt war dabei das Medley „Film ab, Doldinger“. Dieses Arrangement von Walter Ratzek  vereint auf mitreißende Weise bekannte Filmmusiken des erfolgreichen deutschen Komponisten Klaus Doldinger. Die Musik aus „Das Boot“ war da ebenso zu hören wie die Titelmusiken aus dem Tatort, aus Liebling Kreuzberg und vielen anderen Fernseherfolgen. Spannungsgeladen und dynamisch sehr ausgefeilt  spielte das Orchester dieses anspruchsvolle Stück, bei dem die ausdrucksstark gespielten  Saxophon-Solis von Andreas Reitz  für echtes Gänsehaut-Feeling sorgten.  Die spannungsgeladene Musik aus „Star Trek throught the Generations“ rundete den Ausflug in die Filmmusik ab.  Eine weitere Herausforderung für das Orchester war die nautische Rapsody  „The Seafarer“ von Haydn Wood, deren musikalische Klippen die Musiker gekonnt umsegelten und damit einen weiteren Glanzpunkt setzten. Stimmungsvoll endete das Konzert mit zwei weihnachtlichen  Zugaben in Form einer ergreifenden Version von Tochter Zion und einem  swingenden  Satz von „Silent Night“, mit denen der Musikverein Dermbach das durchweg begeisterte Publikum in die bevorstehende Adventszeit entließ. 

Siegener-Zeitung - Ausgabe Altenkirchen vom 30.11.2009