Mit einem festlichen musikalischen Abend verabschiedete

suk Herdorf. Mit einem festlichen musikalischen Abend verabschiedete sich der Musikverein Dermbach  am Samstag im Hüttenhaus Herdorf  von seinem langjährigen Dirigenten Hans-Peter Mertens. Von der Loge des Hüttenhauses aus – die er sich in Zukunft bei den Herbstkonzerten mit der heimischen Presse teilen möchte - ,  nahm er gemeinsam mit seiner Familie zahlreiche Dankesworte entgegen und genoss die musikalischen Vorträge „seines“ Musikvereins, der unter dem Dirigat von Vizedirigent Wolfgang Utsch erstklassige Musik zu besten gab.

Herbstkonzert 2007

 „Meistens hat, wenn zwei sich scheiden, einer etwas mehr zu leiden.“ Mit diesem Wilhelm-Busch-Zitat versuchte Herdorfs Bürgermeister Uwe Erner die Lage der Musiker und des scheidenden Dirigenten nachzuempfinden und zweifellos ist dieser Abschied nach exakt 20 Jahren Dirigententätigkeit in Dermbach für beide Seiten nicht leicht. Aber es war die bewusste Entscheidung Mertens´, nach den grandiosen Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen des Vereins in diesem Jahr, den Taktstock in andere Hände zu geben. Inzwischen ist ja auch seine Nachfolge geklärt und mit Rüdiger Bröhl wird der Verein im neuen Jahr von einem erfahrenen Dirigenten weitergeführt. So war die Stimmung am Samstag weniger betrübt sondern vor allem herzlich und von Dankbarkeit geprägt.

Was Hans-Peter Mertens für den Musikverein Dermbach und für das kulturelle Leben des Städtchens und der Region geleistet hat, wurde in den Ausführungen der Honoratioren immer wieder deutlich. Dermbachs Ortsvorsteher Norbert Eisel, Bürgermeister Uwe Erner und der Vorsitzende des Kreismusikverbandes Altenkirchen, Markus Keggenhoff, würdigten das musikalische Schaffen von Hans-Peter Mertens. Mit  seiner umfangreichen Ausbildung, angefangen beim Musikstudium unter Paul Blöcher über das Kammermusikstudium beim Leiter der Bläserkammermusikvereinigung des WDR, Wilhelm Meyer, und  vielen erfolgreichen Tätigkeiten unter anderem mit den Lehraufträgen an der Rheinischen Musikschule in Köln und an der Robert Schumann Hochschule in Düsseldorf ,
bis hin zu unzähligen musikalischen Engagements, war er ein Garant für eine erfolgreiche Orchesterführung. 

Alle Redner dankten ihm für die geleistete Arbeit, die er in Dermbach so lange ausgeführt hat wie kein anderer Dirigent vor ihm. Besonders hervorgehoben wurde auch das unermüdliche Engagement in der Ausbildung von jungen Musikern, die von Mertens nicht nur zur Leistung motiviert, sondern auch immer wieder über die Vereinsgrenzen hinweg gefördert wurden. Bürgermeister Erner betonte, Mertens habe durch sein Engagement das kulturelle und gesellschaftliche Leben des  „Städtchens“ mit einem leistungsstarken Musikverein Dermbach sehr bereichert. Im Namen des  Bundesverbandes Deutscher Musikvereine konnte Markus Keggenhoff dem scheidenden Dirigenten eine besondere Auszeichnung überreichen. Für 30 Jahre Dirigententätigkeit, davon  zehn Jahre beim Musikverein Scheuerfeld und 20 Jahre in Dermbach, erhielt Hans-Peter Mertens die selten vergebene Ehrennadel in Gold mit Diamant.

Der Auszeichnungen nicht genug wurde er an diesem Abend durch den Vorsitzenden des Musikvereins, Michael Bohl, zum Ehrendirigenten ernannt. Bohl verband damit noch einmal herzliche Worte des Dankes und betonte, dass unter dem Dirigat Mertens´ der Musikverein eine enorme Entwicklung nach oben gemacht habe. Unter seiner Leitung seien viele neue und erfolgreiche musikalische Wege beschritten worden.  „Du hast uns gefordert und gefördert“, betonte Bohl und lobte das hohe Maß an persönlichem Einsatz und Idealismus bei der Arbeit in den letzen 20 Jahren. Mit stehenden Ovationen dankte das Orchester seinem scheidenden Dirigenten, der sich in einer kurzen Ansprache für die vielen Dankesworte und Präsente bedankte. Er sei in den letzen zwei Jahrzenten noch nie durch den Vordereingang ins Hüttenhaus gegangen, das sei eine neue Erfahrung, scherzte er. 

Herbstkonzert 2007

Musikalisch wurde der Abend sehr abwechslungsreich gestaltet. Das große Orchester begeisterte mit so ergreifenden Stücken wie der Filmmusik zum dritten Teil von „Fluch der Karibik“ und Bearbeitungen von klassischen Stücken wie bei der  „Purcell Suite 1 und 4“ oder der bekannten Arie „Nessum Dorma“. Auch das Jugendorchester unter der Leitung von Thomas Drost zeigte sein bereits sehr beeindruckendes Können mit einem Medley zum Musical „Das Phantom der Oper“ und  „The last Spring“ von Edward Grieg. Darüber hinaus bereicherten verschiedene Instrumentalensembles aus den Reihen des Musikvereins das Programm. So brillierten mal die Klarinetten, dann das gesamte Holzregister mit einer gelungenen Version des „Winters“ aus Vivaldis vier Jahreszeiten und auch die Blechbläser zeigten als Quintett ihre musikalische Klasse. Weihnachtliche Weisen sorgten für einen stimmungsvollen Abschluss dieser gelungenen Veranstaltung, die mit einem gemütlichen Imbiss  im Casino des Hüttenhauses ausklang. 

Siegener-Zeitung - Ausgabe Altenkirchen vom 10.12.2007

Ein großer Dirigent sagt Aufwiedersehn

Herdorfer Hüttenhaus: Abschiedskonzert für Hans-Peter Mertens

Er hat sie gefordert und gefördert - nun wurde Hans-Peter Mertens von seinem Musikverein verabschiedet. Viel Zeit wird er deshalb aber wohl doch nicht haben.

HERDORF. Der scheidende Dirigent des Musikvereins Dermbach Hans-Peter Mertens gestand am Samstag zu seinem Abschiedskonzert im Herdorfer Hüttenhaus: "Ich habe diesen schönen Saal noch nie durch den Vordereingang betreten." Stets sei er als Musiker oder Dirigent zur hinteren Tür hineingegangen - neudeutsch würde man "backstage" sagen.

Dazu hat Mertens in Zukunft Gelegenheit, denn nach 20 Jahren am Taktstock im Dermbacher Musikverein übernimmt diesen ab dem nächsten Jahr Rüdiger Bröhl aus Freusburg. Zur Verabschiedung spielte am Samstag das große Orchester, das Jugendorchester und das Bläserquintett auf. "Ich bin erschüttert, dass mich so viele Leute offenbar gemocht haben", scherzt der Ehrengast.

Die Laudatio von Vereinschef Michael Bohl war gespickt mit Erinnerungen an die Höhepunkte unter Mertens' Dirigentenschaft, die "ein Fünftel der Vereinsgeschichte" umfasst. "Den größten Teil deiner Energie hast du auf unsere Konzerte verwandt", sagte Bohl. So spielt der Musikverein seit 1995 beispielsweise zwei Konzerte im Jahr. "Du hast stets Neues mit uns gewagt", so Bohl - auch wenn nicht immer alle von Anfang an den Projekten positiv gegenüber standen. Der Satz "Also dat is sicherlich nix für oos Leu" sei in den vergangenen 20 Jahren des Öfteren gefallen, verriet der Vorsitzende. Doch: "Du hast uns gefordert und gefördert." Das größte Projekt sei das Konzert zum 100-jährigen Jubiläum in diesem Jahr gewesen. Und Mertens bestätigte: "Ich wollte so aufhören, dass man mich nicht so schnell vergisst."

Vom Verein gab es zur Erinnerung ein Album in "Wort und Bild" (Bohl) und die Ernennung zum "Ehrendirigenten". Der Vorsitzende des Kreismusikverbandes, Markus Keggenhoff, hatte Mertens zuvor mit der goldenen Ehrennadel mit Diamant ausgezeichnet. Auch Bürgermeister Uwe Erner und Dermbachs Ortsvorsteher Norbert Eisel dankten dem Dirigenten mit einer Ansprache. Doch Mertens machte etwas ganz anderes zu schaffen: "Kaum bin ich weg, sind zwei Musiker wieder gekommen. Stellen sie sich mal vor, das wären 20 gewesen", kommentierte er schelmisch.

Bohl meinte, Mertens könne von nun an mehr Zeit zu Hause verbringen. Dies jedoch verneinte der Angesprochene. Denn nun steht Mertens jeden Sonntag um 6 Uhr in der Früh auf um mit seinem Sohn zum Motocross zu fahren. Dabei, erzählt er, bekomme er am Rande der Rennstrecke regelmäßig Matsch und Dreck ab. "Ganz ehrlich", sagt Mertens zum Abschluss, "eine Probe sonntags morgens um 10 Uhr wäre mir eigentlich lieber."

Achim Dörner

Rhein-Zeitung - Ausgabe Region Betzdorf vom 10.12.2007, Seite 18.