Heeresmusikkorps 300

Heeresmusikkorps 300 gastierte mit Märschen und sinfonischer Blasmusik im Hüttenhaus

ciu Herdorf. Mit immer wieder gern gehörten Märschen, zeitgenössischer sinfonischer Blasmusik und coolen Big-Band-Klängen begeisterte am Mittwochabend das Heeresmusikkorps 300 aus Koblenz im bestens besuchten Herdorfer Hüttenhaus. Die Musiker, die seit mehr als zehn Jahren unter der Leitung von Oberstleutnant Thomas Klinkhammer stehen, spielten zugunsten des Ambulanten Hilfezentrums in Herdorf und für die Kindergärten des Städtchens. Eingeladen hatte der Musikverein Dermbach. 

Das kurzweilig gestrickte und von Oberstabsfeldwebel Norbert Schindele honorig moderierte Programm begann mit dem Marsch der Finnländischen Reiterei. Militärmusik schwedischer Tradition, gravitätisch schreitend im Tempo, sehr feierlich. Strahlendes Blech, auffällige Farbigkeit im Klang der verschiedenen Register und eine komplizierte Rhythmik zeichnete »Jubilee Overture« von Philipp Spark, der das Stück ursprünglich für eine Brass-Band komponierte, aus. Das Korps, in dessen Reihen derzeit mit Sebastian Bätzing (Musikverein Lyra Brachbach) und Christoph Patt (Musikverein Dermbach) auch zwei Musiker aus der Region zu finden sind, meisterte sämtliche Hürden dieses anspruchsvollen Werks. 

Dann schlug gewissermaßen die Stunde der Solisten. Mit dem Capriccio für Saxophon-Quartett und Orchester von Warren Barker stellten sich zunächst die Saxophonisten vor: Oberfeldwebel Christopher Buchheim (Sopran), Gefreiter Christoph Müller (Alt), Obergefreiter Ralf Baudach (Tenor) und Hauptgefreiter Thomas Burbach (Bariton) duellierten geradezu mit ihren Musikerkollegen, was die verspielten Einwürfe, die melancholischen Brüche anging, und nahmen sich Zeit und Ruhe bei den elegischen Passagen. Ein kontrastreiches Stück. 

Ein Klassiker unter den Märschen ist »Der Dessauer«, der für die Trompeterpassage einen ausgezeichneten Musiker braucht. Das Heeresmusikkorps präsentierte seinen Solisten, Jürgen Bieker, in der Loge des Hüttenhauses. Der Oberfeldwebel beeindruckte mit schönem Ton und irrsinnig schnell genommenen Fanfarenstößen. Dazwischen Schmissiges vom Orchester und ein Immer-wieder-sich-Finden im langgezogenen Tutti. Keine Frage: »Der Dessauer« war ein Spektakel. Mit den stimmungsvollen Slawonischen Tänzen von Elliot Del Borgo und dem facettenreichen Graf-Zeppelin-Marsch von Carl Teike endete der erste Programmteil – und machte neugierig auf das, was in Abschnitt zwei kommen sollte. 

Ein Wiederhören mit der Eurovisionsmeldodie gab es bei »Fanfare und Flourisches« von James Curnow; der Amerikaner verpackte das alte »Te Deum« in einen neuen Sound. Einen klasse Auftritt hatte Hauptfeldwebel Jörg Drees, der Solist im Konzert für Klarinette und Orchester von Artie Shaw. Prima war das Duett, das sich der Klarinettist mit dem Schlagzeuger lieferte; erstaunlich, welch höchste Töne der Musiker aus seinem Instrument holte. 

Das Programm widmete sich jetzt hörbar Swing und Jazz. Auch mit »Tribute to Lionel« von Andre Waignein (versiert am Vibraphon: Obergefreiter Michael Becker), auch mit »Glenn Miller Story« in der Bearbeitung von Heinz Dittmann, bei dem die Saxophonisten des Korps ein bisschen Glamour in die musikalische Show brachten. Eine Zugabe war da süße Pflicht. »Four Brothers« (im Original für Tenorsaxophone) knüpfte an das unmittelbar Hervorgegangene an, und auf den stürmischen Applaus des Publikums hin spielten die Heeresmusiker aus Koblenz schließlich noch die beiden Märsche schlechthin: Radetzky-Marsch und »Alte Kameraden«.