Ausbildungsmusikkorps der Bundeswehr

Grandioses Konzert läutet Jubiläum ein

Ausbildungsmusikkorps der Bundeswehr hilft Musikverein Dermbach

100 Jahre Musikverein Dermbach: Zu den ersten Gratulanten gehörte jetzt das Ausbildungsmusikkorps der Bundeswehr. Dieses begeisterte mit einem Benefizkonzert.

BETZDORF. "Der Applaus spricht für sich: Einen fulminanteren Einstand für unser Festjahr konnten wir uns nicht wünschen." Michael Bohl, Vorsitzender des Musikvereins Dermbach, freute sich am Freitag ebenso wie das Ausbildungsmusikkorps der Bundeswehr, unter Leitung von Oberstleutnant Reinhard Kiauka, über den lange brandenden Beifall in der Betzdorfer Stadthalle: Die 77 angehenden Militärmusiker hatten mit ihren Darbietungen das Publikum restlos begeistert. Mit diesem Benefizkonzert läutete das Ausbildungsmusikkorps schwungvoll die Jubiläumsveranstaltungen zum 100-jährigen Bestehen des Musikvereins Dermbach ein und machte sich noch in besonderer Form für die Dermbacher stark: Der Erlös des Konzerts unter dem Motto "Musiker für Musiker" kommt der Jugendarbeit des heimischen Traditionsvereins zugute. Die jungen Offiziere und Unteroffiziere, die in Hilden in enger Zusammenarbeit mit der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf eine vierjährige Ausbildung zum professionellen Orchestermusiker absolvieren, haben sich bestimmt besonders gern in den Dienst der Dermbacher gestellt: Der musikalische Leiter der Dermbacher, Hans Peter Mertens, gehört zu ihren Ausbildern, und Posaunist Christoph Patt kommt aus Dermbach und spielt auch noch in den Reihen des MV.

Wie das Gros der derzeitigen Mitglieder des Ausbildungsmusikkorps macht Patt im Sommer seinen künstlerischen Abschluss und wird Orchestermitglied eines Musikkorps der Bundeswehr. Im Schlagzeugregister spielen zudem Christoph Griffel (Brachbach) und Alexander Birkholz (Wallmenroth). Alt-Klarinettist Arno Maczioch (Siegen) ist beim MV Dermbach Ausbilder.

Die "musikalische Zukunft der Bundeswehr" präsentierte sich mit breit gefächertem Repertoire: Originale sinfonischer Blasmusik, Bearbeitungen klassischer Werke, Militärmärsche aus fünf Jahrhunderten, Musical-Melodien und Rock/Pop-Musik boten die jungen Leute in hoher Qualität mitreißend dar. Dabei hatten sie gerade mal einen Monat Zeit gehabt, das Programm einzustudieren, denn Oberstleutnant Reinhard Kiauka, der zunächst das Kammerorchester des Stabsmusikkorps der Bundeswehr leitete und dann dem Heeresmusikkorps 100 in Münster (Wehrbereichsmusikkorps II) vorstand, übernahm erst Ende Februar die Leitung des Ausbildungsmusikkorps.

Da zeugt die Güte der Darbietungen vom hohen Engagement auf beiden Seiten, und mit Fritz Brases prächtigem Marsch "Große Zeit, neue Zeit" sprang der Funke gleich aufs Publikum über. Strahlend eröffneten die Blechbläser James Barnes "Symphonic Overture" op. 80, wobei den romantischen Part gefühlvoll Solo-Sax, Kontrabass und Celli (diese vom Kammerorchester des Musikkorps Siegburg) gestalteten, bevor das Orchester wieder "Fahrt" aufnahm und nach wirkungsvoller Stretta prompt Bravo-Rufe schallten.

Ein Schmankerl ist Josef Hellmesbergers temperamentvoller "Teufelstanz", mit dem die Bläser bewiesen, dass sie so virtuos wie Violinen "tänzeln" können. Versiert den Taktstock übernommen hatte hier Hauptmann Matthias Prock, der jüngst das E-xamen zum Kapellmeister bestand. Auch optisch ein Schmaus war die Inszenierung von Friedrich Deisenroths heraldischer Musik "A la mi presente", die Elemente alter Feldmusik mit der ritterlichen Repräsentation der Feldtrompeten und Heerpauken verbindet und ein altes Landsknechtlied verwendet: "Wir zogen ins Feld" nahmen Fanfaren und Pauken wörtlich und marschierten durchs Publikum.

Atmosphärisch dicht gaben die Musiker die Stimmung von Stephen Melillos sinfonischer Dichtung "Godspeed" wieder: "Godspeed" war eines der ersten Schiffe, die 1607 nach Amerika segelten und englische Siedler nach Virginia brachten - vors geistige Auge zauberten die Musiker den spritzigen Aufbruch, gefahrvolle Überfahrt, den "Nebel", in dem sich Solo-Englischhorn und Kontrabass-Klarinette wie ein Gebet ausnahmen, bis strahlende Blechbläser-Akkorde den "Himmel" wieder aufrissen und das "Schiff" seinen Endspurt hinlegte.

Ordentlich eingeheizt wurde dem Publikum mit "Innuendo" von Queen (Arrangement Marco Somadossi) und Perez Prados "Mambo Jambo". Eine hervorragende Sängerin hat das Orchester für dieses Programm mit Linda Mikulec von der Showgruppe "Eurocats" gewonnen: Aus dem Musical "Elisabeth" kredenzte sie die Ballade "Ich gehör nur mir". Super kam auch das Medley "Best of Olivia Newton-John" an, so dass Sängerin und Orchester mit "O, when the Saints..." noch Zugabe gewährten.    Eva-Maria Stettner